Peppol BIS Billing V3

Peppol BIS Billing 3.0: das europäische Peppol-Profil für E-Rechnungen, basierend auf EN 16931 und UBL.

Peppol BIS Billing 3.0 ist das zentrale Rechnungsprofil im Peppol-Netzwerk. Es ist der europäische Standard für E-Rechnungen, die über Peppol versendet und empfangen werden, und bildet die Grundlage, auf der länderspezifische Varianten wie NLCIUS und XRechnung aufgebaut sind.

Was ist BIS Billing V3?

BIS steht für Business Interoperability Specification. BIS Billing V3 ist eine CIUS (Core Invoice Usage Specification) der europäischen Norm EN 16931. Es nimmt das semantische Modell von EN 16931 als Ausgangspunkt und fügt Peppol-spezifische Validierungsregeln hinzu.

Der Standard unterstützt zwei Dokumenttypen: Invoice (Rechnung) und Credit Note (Gutschrift). Beide sind in zwei Syntaxen verfügbar: UBL 2.1 (die am weitesten verbreitete) und CII (Cross-Industry Invoice).

Merkmale
EigenschaftWertVerwalterOpenPeppolBasisEN 16931SyntaxenUBL 2.1, CIIAktuelle Version3.0.20 (November 2025, Hotfix Januar 2026)Verpflichtend ab23. Februar 2026GeltungsbereichEuropa (Peppol-Netzwerk)
DocumentTypeId

Die DocumentTypeId identifiziert das Format eindeutig im Peppol-Netzwerk:

UBL Invoice:

urn:oasis:names:specification:ubl:schema:xsd:Invoice-2::Invoice##urn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:3.0::2.1

UBL Credit Note:

urn:oasis:names:specification:ubl:schema:xsd:CreditNote-2::CreditNote##urn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:3.0::2.1

CII Invoice:

urn:un:unece:uncefact:data:standard:CrossIndustryInvoice:100::CrossIndustryInvoice##urn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:3.0::D16B
Was validiert BIS Billing V3?

BIS Billing V3 fügt Hunderte von Geschäftsregeln auf EN 16931 hinzu. Die wichtigsten Kategorien:

  • Rechnerische Prüfungen: MwSt.-Beträge, Zeilensummen und Rechnungssummen müssen korrekt sein
  • Identifikationsvalidierung: schemeIDs müssen aus den richtigen Codelisten stammen (EAS, ICD)
  • Feldkonsistenz: bestimmte Feldkombinationen müssen logisch konsistent sein (z.B. MwSt.-Satz bei MwSt.-Kategorie S)
  • Länderspezifische Regeln: pro Land können zusätzliche Peppol-Regeln gelten (NL-R-, DK-R-, SE-R-, DE-R-)

Die Validierung erfolgt über Schematron-Artefakte, die OpenPeppol mit jeder Veröffentlichung publiziert.

BR-CO-10: Rundung des Zeilengesamtbetrags vs. Rechnungsgesamtbetrag

BR-CO-10 lehnt eine Rechnung ab, wenn die Summe der Zeilenbeträge (LineExtensionAmount pro Zeile, jeweils gerundet) vom angegebenen Summe der Rechnungszeilen-Nettobeträge (BT-106) abweicht. Dabei handelt es sich um einen Rundungsdifferenzfehler: Er entsteht, wenn ein ERP oder Integrationspartner pro Zeile rundet, während der Gesamtbetrag mit einer anderen Genauigkeit berechnet wird.

Zwei Lösungen für UBL-Integrationspartner, die XML über eConnect oder PSB einreichen:

  1. PayableRoundingAmount (BT-114): Fangen Sie die Rundungsdifferenz zwischen dem Zeilensumme und dem Rechnungsgesamtbetrag explizit mit einem Rundungsbetrag auf. Die Differenz wird als separater Posten sichtbar gemacht, anstatt einen Validierungsfehler zu verursachen.
  2. InvoicedQuantity=1: Strukturieren Sie die Rechnungszeile mit InvoicedQuantity=1, PriceAmount gleich dem vollständigen Zeilenbetrag und unitCode=EA, sodass kein zeilenweiser Rundungsunterschied entsteht.

Diese Rechenregeln gelten strukturell: Sobald eingereichtes XML diesen nicht entspricht, erfolgt die Ablehnung. Den vollständigen Satz arithmetischer Business Rules (BR-CO-*) finden Sie in der Peppol BIS Billing 3.0-Spezifikation auf peppol.eu.

Versionsrichtlinie

OpenPeppol veröffentlicht zweimal jährlich eine neue Version (Mai und November). Nach der Veröffentlichung gilt eine Übergangszeit von drei Monaten, in der sowohl die alte als auch die neue Version akzeptiert wird. Nach dieser Frist ist die neue Version verpflichtend.

Die aktuelle Version (3.0.20) umfasst unter anderem:

  • Aufhebung der Einschränkung bei PDF-Anhängen
  • Neuer EAS-Code 0244 und ICD-Codes 0241 bis 0245
  • Hinzufügung des VATEX-Codes VATEX-EU-135-1
  • Aktualisierte dänische länderspezifische Regeln
Kommendes Release: PoAC Post-Award May 2026

OpenPeppol AISBL hat am 20. Mai 2026 das Release PoAC Post-Award May 2026 veröffentlicht. Dieses Minor-Release ist ab dem 17. August 2026 verpflichtend. Der Geltungsbereich umfasst ausschließlich die Peppol BIS3 Post-Award-Spezifikationen und Validierungsartefakte; PINT ist ausdrücklich nicht im Geltungsbereich. Die Änderungen betreffen Codelisten und die obligatorischen Validierungsartefakte für alle veröffentlichten Peppol BIS 3.0-Dokumente.

Bis einschließlich 16. August 2026 bleibt das November-2025-Release (3.0.20 + Hotfix) für den Produktivverkehr verpflichtend. Service Providers dürfen in diesem Zeitraum bereits implementieren und testen. Das detaillierte Delta (Codelisten, Business Rules, Schematron-Versionen) wird von OpenPeppol auf den Release-Notes-Seiten unter docs.peppol.eu/poacc/billing/3.0/upcoming/ und den zugehörigen Self-Billing- und Upgrade-Seiten veröffentlicht. eConnect aktualisiert die Validierung und die Codelisten automatisch vor dem verpflichtenden Stichtag.

Beziehung zu anderen Formaten

BIS Billing V3 nimmt eine zentrale Position in der Standardhierarchie ein. Es ist die Brücke zwischen dem abstrakten semantischen Modell (EN 16931) und den länderspezifischen Implementierungen:

EN 16931
    └── Peppol BIS Billing V3   ← dieses Format
         ├── NLCIUS (Niederlande)
         ├── XRechnung (Deutschland)
         ├── Svefaktura (Schweden)
         └── ...

Lesen Sie mehr über diesen Aufbau in Von Semantik bis Syntax.

eConnect und BIS Billing V3

Die eConnect PSB validiert alle ein- und ausgehenden Rechnungen automatisch gegen die aktuelle BIS Billing-Version. Bei jeder neuen Version werden die Schematron-Artefakte aktualisiert und neue Codelisten unterstützt. Der kostenlose Online-Validator auf der eConnect-Website prüft Rechnungen ebenfalls gegen die aktuelle Version.

Rechnungsvarianten (InvoiceTypeCode)

BIS Billing V3 unterstützt mehrere Rechnungstypen über den InvoiceTypeCode. Die beiden am häufigsten verwendeten Codes sind 380 (Handelsrechnung) und 381 (Gutschrift). Darüber hinaus sind Code 383 (Lastschriftanzeige) und 386 (Vorauszahlungsrechnung) innerhalb dieses Profils verfügbar.

Self-Billing (Code 389) wird innerhalb des Standard-BIS-Billing-V3-Profils nicht unterstützt, hat aber ein eigenes Peppol-Profil: BIS Self-Billing 3.0, mit einer separaten CustomizationID und ProfileID.

Für die vollständige Übersicht aller InvoiceTypeCodes, einschließlich Vergleich pro Standard und Erläuterung pro Code, siehe den Artikel InvoiceTypeCode.

Zulässige Anhang-MIME-Typen (BR-CL-24)

BIS Billing V3 schränkt über BR-CL-24 ein, welche MIME-Typen als eingebetteter Anhang (BT-125) zulässig sind. In der aktuellen Produktionsvalidierung sind das:

MIME-TypDateitypapplication/pdfPDFimage/pngPNGimage/jpegJPEGtext/csvCSVapplication/vnd.openxmlformats-officedocument.spreadsheetml.sheetXLSXapplication/vnd.oasis.opendocument.spreadsheetODS

application/xml ist nicht zulässig in der aktuellen BIS Billing V3-Validierung als Anhang-MIME-Typ. XML als Anhang gehört zu EN 16931-1:2026 und einer zukünftigen Peppol-Version (möglicherweise BIS Billing 4.0). In der aktuellen Produktionsvalidierung wird application/xml abgelehnt. Siehe auch BR-CL-24 bei Versandfehlermeldungen.

Zukünftige Änderungen: EN 16931 Revision

Im aktuellen BIS Billing 3.0 kann pro Rechnung nur eine Bestellnummer (OrderReference) referenziert werden. Bezieht sich eine Rechnung auf mehrere Bestellungen, muss der Lieferant mehrere Rechnungen erstellen. Diese Einschränkung ergibt sich aus dem semantischen Modell von EN 16931, auf dem BIS Billing basiert.

Am 13. Februar 2026 hat CEN (das Europäische Komitee für Normung) die überarbeitete Version von EN 16931 formell genehmigt. Die wichtigste Ergänzung ist die Unterstützung mehrerer Bestellungen pro Rechnung, einschließlich Bestellreferenzen auf Zeilenebene. Damit entfällt die aktuelle Beschränkung auf eine OrderReference pro Dokument.

Technisch: Die überarbeitete Norm erlaubt mehrere OrderReference-Elemente auf Dokumentebene und fügt eine OrderLineReference pro Rechnungszeile hinzu. Darüber hinaus können AdditionalDocumentReference-Elemente bereits zusätzliche Referenzen enthalten (Projekt-, Vertrags- oder Käuferreferenz), diese ersetzen jedoch keine OrderReference.

Die Änderungen werden voraussichtlich in etwa einem Jahr in einer neuen Version des Peppol-Standards umgesetzt, möglicherweise als BIS Billing 4.0. Bis dahin bleibt die aktuelle Beschränkung bestehen. Sobald die neue Version verfügbar ist, wird eConnect die Validierung und Verarbeitung aktualisieren, sodass Sie als Nutzer direkt mehrere Bestellreferenzen pro Rechnung mitsenden können.


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