Vereinigte Staaten

E-Rechnung in den USA: das DBNA-Netzwerk, Vergleich mit Peppol, Teilnehmer und Global Interoperability Framework.

In den Vereinigten Staaten gibt es keine bundesweite Pflicht zur E-Rechnung. Dennoch wächst der Bedarf an standardisierter elektronischer Rechnungsstellung. Millionen Rechnungen werden noch über Papier, PDF und E-Mail verarbeitet, was zu hohen Kosten, Fehlern und langsamen Zahlungen führt. Mit der Gründung des DBNA-Netzwerks (Digital Business Networks Alliance) im Januar 2024 haben die USA eine offene, standardisierte Alternative erhalten, die sich stark an Peppol in Europa orientiert. Die Business Payments Coalition, koordiniert durch die Federal Reserve, hat das Netzwerk formell etabliert.

Überblick
AspektDetailsStatusKeine bundesweite Pflicht, freiwillige Einführung über DBNANetzwerkDBNA (Digital Business Networks Alliance)FormatUBL, abgeleitet von PINTProtokollAS4VerzeichnisSML + SMP v2IdentifikatorenEIN, DUNS, GLNOperationell seitApril 2024
Das DBNA-Netzwerk

DBNA steht für Digital Business Networks Alliance, eine gemeinnützige Organisation, die das offene US-Netzwerk für die E-Rechnung betreibt. Das Netzwerk ermöglicht den Austausch elektronischer Rechnungen zwischen Unternehmen in den USA, unabhängig von der eingesetzten Software.

Die Organisation wurde im Januar 2024 formal von Teilnehmern der Business Payments Coalition gegründet, einer von der Federal Reserve koordinierten Brancheninitiative. Ziel war eine marktgetriebene Antwort auf fehlende Standardisierung in der US-amerikanischen B2B-Rechnungsstellung.

DBNA nutzt dasselbe Vier-Ecken-Modell wie Peppol: Der Absender versendet eine Rechnung über seinen Access Point, der das Dokument an den Access Point des Empfängers weiterleitet. Die beiden Access Points finden sich über ein zentrales Verzeichnis (SML/SMP), vergleichbar mit einem digitalen Telefonbuch.

Dokumentstandards

DBNA arbeitet mit UBL (Universal Business Language) als Dokumentformat, abgeleitet von PINT (Peppol International Invoice). Neben Rechnungen unterstützt das Netzwerk Gutschriften, E-Remittance (Zahlungsmitteilungen) und Anhänge über das Extended-Invoice-Format.

Identifikation der Teilnehmer

Während Peppol in Europa Handelsregisternummern und Umsatzsteuer-IDs nutzt, arbeitet DBNA mit US-amerikanischen Unternehmenskennungen:

KennungBeschreibungEINEmployer Identification Number (bundessteuerliche Identifikationsnummer)DUNSData Universal Numbering System (Dun & Bradstreet)GLNGlobal Location Number (GS1)
Wer steht dahinter?

DBNA ist aus der Business Payments Coalition (BPC) hervorgegangen, begleitet von der Federal Reserve. Im Gremium und Ökosystem sind Vertreter großer Unternehmen und Dienstleister beteiligt:

  • SAP und Microsoft (ERP-Anbieter)
  • ConocoPhillips, Chevron und Halliburton (Energiewirtschaft)
  • diverse zertifizierte E-Rechnungsdienstleister und Anbieter von Steuertechnologie
DBNA im Vergleich mit Peppol

DBNA und Peppol teilen viele technische Bausteine. Die wichtigsten Unterschiede liegen in Governance, Skala und rechtlichem Umfeld.

PeppolDBNAOrganisationOpenPeppol (gemeinnützig, Belgien)DBNAlliance (gemeinnützig, USA)Governancezentral: OpenPeppol + nationale Peppol Authoritiesföderiert: keine nationalen Behörden als NetzwerkautoritätReichweite65+ Länder, 23 Peppol AuthoritiesVereinigte Staaten (primär)SkalaHunderte Millionen Dokumente pro Jahroperationell seit April 2024DokumenttypenRechnungen, Gutschriften, Bestellungen, Kataloge, Despatch Advices, MLRRechnungen, Gutschriften, E-Remittance, AnhängeRechtlicher Rahmenzunehmend verpflichtend in vielen Ländern (B2G und B2B)keine bundesweite Pflicht, vollständig freiwilligEnvelopeSBDHXHE

In Europa treibt Gesetzgebung die E-Rechnung voran, mit der ViDA-Richtlinie als übergeordnetem Rahmen. In den USA ist die Teilnahme an DBNA freiwillig und durch Effizienzvorteile motiviert: niedrigere Bearbeitungskosten, schnellere Zahlungen und weniger Fehler.

Peppol folgt einem zentralen Modell mit nationalen Peppol Authorities. DBNA nutzt ein föderiertes Modell ohne solche nationalen Instanzen, passend zur US-Marktkultur, in der die Privatwirtschaft die Initiative ergreift.

Global Interoperability Framework

Das Global Interoperability Framework (GIF) verbindet Peppol, DBNA und GENA (Global Exchange Network Alliance, Asien-Pazifik) zu einem zusammenhängenden weltweiten Ökosystem. Es ist kein separates Netzwerk, sondern ein Bündel gemeinsamer Standards, das netzwerkübergreifenden Austausch ermöglicht.

Die gemeinsamen Bausteine:

  • UBL als Dokumentformat
  • AS4 als Kommunikationsprotokoll
  • SMP v2 als Verzeichnisstandard
  • PINT als Basis für das Rechnungsformat
  • XHE als Routing-Envelope für Cross-Network-Verkehr

In der Praxis bedeutet das: Eine über Peppol versendete Rechnung kann an einen Empfänger im DBNA-Netz zugestellt werden und umgekehrt, ohne Formatkonvertierung. Der Access Point auf Senderseite muss für beide Netze zertifiziert sein oder mit einer Partei zusammenarbeiten, die das ist.

Einführung und Ausblick

DBNA ist betriebsfähig, die Verbreitung ist jedoch noch begrenzt. Wichtige Meilensteine:

  • Sommer 2023: Veröffentlichung des E-Invoice Exchange Framework
  • Januar 2024: DBNAlliance wird als gemeinnützige Organisation formal gegründet
  • April 2024: erste produktive Austausche im Netz
  • November 2025: Start der Mass Adoption API zur Beschleunigung der Teilnehmerregistrierung
  • April 2026: erste E-Invoicing Conference United States in New York

Das Wachstum wird durch Effizienzvorteile für Großunternehmen und Lieferketten getrieben, nicht durch Gesetzgebung. Die Energiewirtschaft ist eine frühe Triebkraft, vergleichbar mit der Rolle des öffentlichen Sektors für Peppol in Europa.

Derzeit sind mehr als zehn zertifizierte Access Points im DBNA-Netz aktiv. Die aktuelle Liste finden Sie auf der Website der DBNAlliance.

Position von eConnect

eConnect verfolgt die Entwicklungen rund um DBNA aktiv und beteiligt sich an der Governance, betreibt derzeit jedoch noch kein operatives Routing über DBNA in Produktion. Solange die Zahl aktiver Teilnehmer und Transaktionen in den USA begrenzt bleibt, ist ein praktischer Nutzen einer DBNA-Anbindung für die eConnect-Kunden noch gering.

Sobald die Verbreitung ein relevantes Niveau erreicht, kann eConnect DBNA dank der großen technischen Überschneidung mit Peppol ergänzen: dieselben Protokolle, vergleichbare Dokumentstandards und dasselbe Vier-Ecken-Modell.

Häufig gestellte Fragen
Ist die E-Rechnung in den USA verpflichtend?

Nein. In den Vereinigten Staaten gibt es keine bundesweite Pflicht zur E-Rechnung. Die Nutzung von DBNA ist vollständig freiwillig und wird durch Effizienzvorteile motiviert: niedrigere Bearbeitungskosten, schnellere Zahlungen und weniger Fehler.

Was ist der Unterschied zwischen DBNA und Peppol?

DBNA und Peppol teilen dieselbe technische Basis (Vier-Ecken-Modell, UBL, AS4), unterscheiden sich aber in Governance und Skala. Peppol wird zentral mit nationalen Autoritäten gesteuert, DBNA folgt einem föderierten Modell. Peppol ist in über 65 Ländern aktiv; DBNA fokussiert primär den US-Markt.

Kann ich Rechnungen über Peppol an einen Empfänger in den USA senden?

Technisch ist das möglich, weil beide Netze dieselben Bausteine nutzen (UBL, AS4, SMP v2, PINT). Mehrere Service Provider sind für Peppol und DBNA zertifiziert und verbinden die Netze über das Global Interoperability Framework.

Unterstützt eConnect das DBNA-Netzwerk?

eConnect verfolgt DBNA aktiv und beteiligt sich an der Governance, betreibt das Netz derzeit aber noch nicht mit operativem Produktionsrouting. Sobald die Verbreitung ausreichend Skalierung erreicht, kann eConnect DBNA dank der großen technischen Überschneidung mit Peppol am PSB (Procurement Service Bus) ergänzen.


Möchten Sie erfahren, wie eConnect Sie bei internationaler E-Rechnung unterstützt? Zu den Möglichkeiten.

Kontakt aufnehmen

Zurück zur Vorschriftenübersicht